Karlsruhe ante portas – die Karlsruher Tore

In der Komm-Kaffé-Runde vom März haben wir uns über die Karlsruher Tore unterhalten. Über Ihre Entwicklung, ihre Umgebung und ihren Verlust. Dies hat uns auf die Idee gebracht, eine Reihe von Artikeln zu diesem Thema zu verfassen.

Viele Jahrtausende lang grenzten Siedlungen und Dörfer ihre Äcker, Wiesen und Felder mit Zäunen ein. Damit schützten deren Bewohner diese nicht nur vor Tieren; sie demonstrierten damit auch politische Macht. Städte grenzten sich von ihrer umgebenden Landschaft ab, indem sie sich mit Mauern umgaben. Mauern erwiesen sich im Lauf der Zeit als hinderlich bei Erweiterungen, denn die meisten Kommunen wuchsen immer weiter über ihre Grenzen hinaus.
Dementsprechend wurden die Stadtgrenzen und damit die Mauern, Wälle und Tore verlegt oder geschliffen. Dass sie den Bedürfnissen und dem jeweiligen Geschmack ihrer Zeit angepasst wurden, blieb – auch in Karlsruhe – nicht aus.

Zunächst war die Stadt Karlsruhe mit einem Palisadenzaun umgeben. An den wichtigsten Zugängen befanden sich einfache, aus Holz gebaute Tore. Diese ließen sich bei eintreten- der Erweiterung der Stadt schnell demontieren und an anderer Stelle wieder aufbauen. Zu Kriegszeiten dienten die Tore weniger dazu zur Sicherheit beizutragen; vielmehr dazu von Reisenden und durchpassierenden Gütern Zoll zu erheben. Doch der Verkehr nahm zu, die Pferdegespanne wurden größer und breiter; Pferdegespanne wurden von Kraftwagen abgelöst. Analog zu dieser Entwicklung wurden Zölle abgeschafft, Verwaltungsvorgänge rationalisiert. Dies begünstigte den Warenstrom und damit nahm der Verkehr wiederholt zu, der mit den Möglichkeiten der motorisierten, individuellen Mobilität weiterhin wuchs. Straßen mussten neu gestaltet und verbreitert werden. Hindernisse, die den Verkehrsfluss bremsten, wurden beseitigt.

Bedauerlich ist, dass einige dieser Zeitzeugen, die die Bombardierungen beider Weltkriege relativ heil überlebt haben, nach 1945 unwiederbringlich zerstört wurden. Nicht an eine andere Stelle versetzt, sondern abgerissen. Oft tumber, materialisierter Fortschrittsglaube bei der Stadtgestaltung, manchmal schiere Profitgier. Es blieben Namen und Geschichte.

Außer den großen Toren verbanden noch einige Durchgänge das Umland mit der Stadt.
So befand sich ein Aus- und Eingang beim Schlossplatz, nahe der Hofschreinerei, der
in den Hardtwald führte. Außerdem gab es noch ein Pikettor an der heutigen Ritterstraße, an der Kriegsstraße, und an der Adlerstraße. Auch an der Kreuzung Amalienstraße/Hirschstraße ein Pikettor, das mitsamt einem Oktroihäuschen 1835 abgerissen wurde.

In der ersten Gründerzeit hatte Karlsruhe fünf große Tore: das Mühlburger Tor, das Durlacher Tor, das Rüppurrer Tor, das Ettlinger Tor, und das Linkenheimer Tor. 1737 waren die aus Holz gebauten Tore samt den Wachthäusern und Schlagbäumen verfault, so dass diese ersetzt werden mussten. Die Stadt sollte zu den Kosten zur Hälfte herangezogen werden. Doch diese lehnte dieses Ansinnen ab: Mühlburg sei (damals) auch eine Stadt und habe ebenfalls keine Tore. Folglich brauche Karlsruhe auch keine. Aber es kam anders.

Das Mühlburger Tor

Es stand zuerst an der Waldstraße Kreuzung Kaiserstraße und wurde 1783 bis gegen die Kar vorverlegt. 1817 war man wiederum zur Verlegung genötigt und man stellte es an den Platz, der heute noch dessen Namen trägt. 1821 wurden dort zwei Wachthäuschen von Weinbrenner im römischen Stil gebaut.

Das Tor selbst bestand aus schwerem schmiedeeisernem Gitter. Die Torflügel, etwas einfacher gehalten, waren zwischen zwei massiven, rechteckigen Pfeilern angebracht. Auf ihnen waren bis 1862 Wappenhalter mit kriegerischen Emblemen aufgestellt. Danach zierten badische Greife, die die Wappen hielten, den Einlass.

Vor dem Tor befand sich der Schlagbaum, nicht weit davon das Hochgericht. 1842 und 1862 wurden an diesem Tor einige Umbauten durchgeführt. 1873 wurden die Eisentore entfernt – sie waren ein Verkehrshindernis. Ein Jahr später wurde das Tor selbst abgerissen. Die beiden Wachthäuschen wurden im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Im Zuge der Verbreiterung der Straße wurden sie ebenfalls aus dem Verkehr gezogen.

(aus der Zeitschrift 03/2007 und 4/2007, Wolfgang Vocilka)