Der Leopoldplatz: Ein Bachlauf in Beton gegossen – ein Halleluja für zwei Ämter
Eltern müssen, wenn sie den neuen Spielplatz an der Leopoldschule sehen, meist erst einmal tief Luft holen. Dann braucht die ironische Verwunderung eine Weile, bis sie verfliegt und die Luft rein ist und der Kopf ausgeraucht. Oder auch nicht. Ein Spielplatz an dieser Stelle ist ein Ungewohnter und auch unverhoffter Anblick. Denn dieser ist eingezäunt und nicht für jedes Kind zu jeder Tageszeit zugänglich, wenn dies auch seinen Grund hat – aber mehr dazu später. Vieles, was man hier sieht, und was dem Streben der umgebenden Architektur ist in der Anlage hier nicht impliziert. Keine historische Gelassenheit, kein Ruhepol. Was Sie hier sehen, wiederspricht der klassischen Lehre vom historistisch implizierten Bauen, also dem Anpassen der Spielfläche an sein (Bau)geschichtlich gewachsenes Umfeld. Und das ist gut so!
Es ist immerhin der Spielplatz auf dem umgestalteten Leopoldplatz. Eine Bewegungsfläche, die im wahrsten Sinne des Wortes auch so ausgelegt ist. So ist, was man hier findet eben anders, auf seine Art und weise gewachsen. Die Planer des Gartenbauamtes zogen aus, um nicht etwa dem Gelände eine kunstvolle Gestalt zu geben (das ist hier nur eine Draufgabe), sondern um denjenigen eine Freude zu machen, die Hauptpersonen sind, den Nutzern. Und das geschieht nicht zuletzt dadurch, dass diese am Entwerfen beteiligt wurden, in dem sie nach ihren Wünschen gefragt wurden, nach ihren Träumen und Wünschen.
Dem Gebrauch angepasst, sind die robusten Spielgeräte vorwiegend aus Edelstahl konstruiert und federn wie Pflanzen im Wind. Sie animieren dazu sich an sie zu klammern, an ihnen zu zerren, zu hebeln und zu schwingen – denn genau dazu sind sie da.
Der Leopoldbrunnen wurde fachgerecht restauriert; Fehlstellen sind mit Sandsteinmörtel ausgebessert worden, dazu kam noch ein neuer Anstrich.
Im hinteren Bereich des Schulvorplatzes schlängelt sich ein Sitzerlebnis um die Bäume, die im Sommer den Platz beschatten. Auch dieses spricht eine neue Sprache – gleicht einem geschwungenen Bachlauf, den man in Beton gegossen hat und kann getrost als Wahrzeichen dieses Areals angesehen werden, Bewegung.
Umgeben sind die Spielflächen mit Zäunen, die zu vorgegebenen Nachtzeiten unangenehme Zeitgenossen davon abhalten soll, sich selbst oder ihre Vierbeiner im Schulhof respektive beim Leopoldbrunnen zu erleichtern. Die Tore zwischen den Spielflächen können also Tagsüber geöffnet werden.
Um die Verkehrssicherheit im Vorfeld der Schule zu gewährleisten ist die Leopoldstraße verengt und in diesem Teilbereich zu einem verkehrsberuhigten Bereich umgewidmet worden. Große Tafeln weisen ausdrücklich darauf hin, auch wenn diese nicht beachtet werden. Denn, liebe Verkehrsteilnehmer, in einem Verkehrsberuhigten Bereich, der im Volksmund auch Spielstraße genannt wird, darf nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden.
Und warum tun das nur die wenigsten der Kraftfahrer? Ausgerechnet ein Grossteil der motorisierten Helden der Verkehrswelt nehmen mitten in dieser Zone Anlauf und geben Gas, als ob sie über die Belfortstrasse hüpfen müssten. Solche Stunt-Versuche sind unnötig und gefährden Kinder und Anwohner, die sich darauf verlassen, dass ihnen just an dieser Stelle Fahrzeuge begegnen, die die Geschwindigkeit ob des Engpasses vor dem Schulbau reduzieren müssen. Denn dem alternierenden Straßenverlauf folgend, muss sich der Verkehrsteilnehmer brav in die Verengung einfädeln und dabei die Fahrgeschwindigkeit reduzieren. Die Planer der Stadt haben sich bei der Konzeption etwas gedacht und nicht nur das!
Im Herbst ist die Planung umgesetzt und damit der Leopoldplatz fertiggestellt worden. An dieser Stelle geben wir vom Bürgerverein aus unseren herzlichsten Dank weiter an die Mitarbeiter vom Gartenbauamt und vom Tiefbauamt, die vom ersten Zeichnungsstrich bis zum letzten Besenwisch daran mitgewirkt haben, dass der Leopoldplatz zu dem wurde, was er ist: ein Treffpunkt für mehrere Generationen am Leopoldbrunnen und ein Spielraum unter einem Laubdach.
(Text: Wolfgang Vocilka, erschienen in „Die Stadtmitte”, 01/2007)



